Beweglichkeit der Schulter verbessern | Anatomie und Aufbau
Schulter mobilisieren

Aufbau und Beweglichkeit der Schulter

2. Schulter mobilisieren

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3. Anatomie und Aufbau der Schulter

Die Schulter ist der Bereich am Körper, an dem der Oberarm mit dem Rumpf verbunden ist. Dazu zählen der Schultergürtel sowie Schultergelenk und die umhüllenden Weichteile.

Die Beweglichkeit der Schulter in all ihren Ebenen ergibt sich aus der Kombination von Schultergelenk und Schultergürtelgelenk.

Damit eine Bewegung in der Schulter zustande kommt, sind sowohl die Muskeln des Schultergelenks sowie jene des Schultergürtelgelenks verantwortlich.

4. Der Schultergürtel

4.1. Schultergürtelskelett

Der Schultergürtel wird von den Schulterblättern und den Schlüsselbeinen gebildet.

Die einzige Verbindung zwischen Schultergürtelskelett und Rumpf ist zwischen Schlüsselbein und Brustbein am oberen Ende des Brustbeins.

Die Knochen des Schultergürtels können durch die Muskulatur gegeneinander und gegen die des Brustkorbs bewegt werden.

4.2. Schlüsselbein (Clavicula)

Das Schlüsselbein ist von oben bzw. unten betrachtet ein S-förmiger Knochen mit ca. 10-15cm Länge.

Ein Ende des Schlüsselbeins (inneres Ende, von vorne betrachtet) ist mit dem Brustbein und das andere Ende (äußeres Ende, von vorne betrachtet) mit dem Schulterblatt verbunden.

Die Verbindung bzw. das dabei gebildete Gelenk zwischen Schlüsselbein und Brustbein nennt sich Articulatio sternoclavicularis und jenes zwischen Schlüsselbein und Schulterblatt nennt sich Articulatio acromioclavicularis.

4.3. Schulterblatt (Scapula)

Vereinfacht ausgedrückt wird die Rückseite des Schulterblatts durch die am oberen Drittel durchlaufende Spina scapulae (Knochengrat) in eine obere Grube (Fossa supraspinata) und eine untere Grube (Fossa infraspinata) unterteilt.

Die Spina scapulae steigt von innen nach außen verlaufend an und endet mit dem Akromion (Schultereck) am äußeren oberen Ende des Schulterblatts. An der Kante des Akromion befindet sich nach innen gerichtet die Gelenksfläche für die Verbindung mit dem Schlüsselbein.

Darunter, also auch an der Außenseite des Schulterblatts, am oberen Rand (oberes äußeres Eck des Dreiecks), befindet sich der Angulus lateralis (Gelenkkörper für die Pfanne des Schultergelenks).

An der Vorderseite des Schulterblatts, ebenso am äußeren oberen Rand, befindet sich der Proc. Coracoideus(Rabenschnabelfortsatz).

Das Schulterblatt ist ein flacher Knochen mit dreieckiger Gestalt, der an der Rückseite des Brustkorbs aufliegt. An allen Flächen des Schulterblatts haben Schultermuskeln ihren Ursprung.

Schulterblatt

Rechtes Schulterblatt von hinten gesehen

4.4. Schultergürtelgelenke

Wie bereits kurz beschrieben, gibt es zwei Gelenke im Schultergürtel.

Zum einen das

  • innere Schlüsselbeingelenk zwischen Schlüsselbein und Brustbein (Art. Sternoclavicularis)

sowie zum anderen das

  • äußere Schlüsselbeingelenk (Art. Acromioclavicularis) zwischen Schlüsselbein und Schulterblatt.

Wie bereits zu Beginn des Artikels erwähnt, ist das innere Schlüsselbeingelenk, vereinfacht ausgedrückt, die einzige Verbindung des Schultergürtels mit dem Rumpf.

Schultergürtelgelenke

Inneres- und äußeres Schlüsselbeingelenk (rechtes Schlüsselbein von vorne betrachtet)

4.5. Muskulatur des Schultergürtels

Dazu zählen

Funktion: Hebt und dreht das Schulterblatt

Funktion: Zieht das Schulterblatt an die Wirbelsäule heran

Funktion: Zieht das Schulterblatt an die Wirbelsäule heran

Funktion: Fixiert den inneren Rand des Schulterblatts am Brustkorb und kann je nach Aktivierung das Schulterblatt verschieben und drehen

Funktion: Bewegung des Schulterblatts und Einstellung der Gelenkpfanne

Funktion: Senken und drehen des Schulterblatts

Funktion: Sicher bei Kontraktion das innere Schlüsselbeingelenk

Funktion: Verbindet den Schädel mit dem Schlüsselbein und zählt somit als Schultergürtelmuskel dessen Funktion sich jedoch gering auf die des Schultergürtels auswirkt.

Als Schultergürtelmuskeln können jene Muskeln bezeichnet werden, die am Schultergürtel ansetzen und somit auf den Schultergürtel wirken.

5. Das Schultergelenk

In seiner Funktion arbeitet das Schultergelenk mit dem Schultergürtel direkt zusammen. Ein wesentlicher Unterschied vom Schultergelenk zum Hüftgelenk ist, dass sich am Hüftgelenk die Gelenkpfanne am starren Becken befindet, während sich am Schultergelenk die Gelenkpfanne am beweglichen Schulterblatt befindet.

Das Schultergelenk ist ein Kugelgelenk, welches zwischen dem Oberarmknochen als Gelenkkopf und dem Schulterblatt als Gelenkpfanne gebildet wird. Das Gelenk wird von einem mächtigen Muskelmantel umhüllt.

Schulterblatt

Rechtes Schultergelenk

5.1. Muskulatur des Schultergelenks

Im Gegensatz zur Muskulatur des Schultergürtels setzen die Muskeln des Schultergelenks am Oberarmknochen an und sind somit in der Lage den Arm gegenüber des Schultergürtels zu bewegen.

5.2. Vordere Muskeln der Schulter

Funktion: Haltemuskel, der den Arm in die Grundstellung zurückführt

Funktion: Hebt den Arm nach vorne, zur Seite und dreht ihn nach innen

5.3. Hintere Muskeln der Schulter

Funktion: Heben des Arms zur Seite

Funktion: Außenrotation in erster Linie

Funktion: Außenrotation und heranführen seitlich gehobenen Arms zum Körper

Funktion: Innenrotation sowie heranführen des Arms zum Körper

Funktion: Ist so gut wie an allen Bewegungen der Schulter beteiligt

Funktion: Innenrotation

Funktion: Innenrotation sowie heranführen des Arms. Heranziehen des Oberkörpers an den Armen.

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5.4. Beweglichkeit des Schultergelenks

Der Bewegungsradius im Schultergelenk alleine ist nicht so groß, wie man es augenscheinlich annehmen würde.

Wie bereits erwähnt, ergibt sich die Beweglichkeit der gesamten Schulter aus der Kombination der Beweglichkeit des Schultergürtels mit dem Schultergürtelgelenk.

Dies bedeutet, dass bei nahezu allen Bewegungen des Schultergelenks auch gleichzeitig Bewegungen in den Schultergürtelgelenken stattfinden.

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5.5. Beweglichkeit des Schultergelenks

Die isolierte Beweglichkeit des Schultergelenks beträgt bei

  • Anteversion: 60-100 Grad je Richtung (kaum über die Horizontale)
  • Retroversion: Bis ca. 40 Grad
  • Abduktion: Bis ca. 90 Grad (Horizontale)
  • Adduktion: Bis ca. 10 Grad
  • Rotation des herabhängenden Arms: Bis 90 Grad möglich
  • Elevation: Ist ohne Schultergürtelgelenke nicht möglich

Aus diesen Angaben wird ersichtlich, wie gering die eigentliche Beweglichkeit des Schultergelenks ohne Schultergürtelgelenke ist.

5.6. Beweglichkeit der gesamten Schulter

Die isolierte Beweglichkeit der gesamten Schulter (Schultergelenk + Schultergürtelgelenke) beträgt bei der

  • Anteversion: 180 Grad
  • Retroversion: Bis ca. 40 Grad
  • Abduktion: 180 Grad
  • Adduktion: 20 – 40 Grad
  • Rotation des herabhängenden Arms: Bis 90 Grad möglich
  • Elevation: Bis zur Bewegungshemmung im Schultergürtel

6. Übungen zur Verbesserung der Beweglichkeit

Schulter mobilisieren 3

Arme gestreckt mit einem Miniband um die Handgelenke über den Kopf führen

Schulter mobilisieren 1

Zuerst die Hand nach außen, danach hinter dem Kopf vorbei nach vorne führen und zum Körper ausdrehen. Darauf achten, dass die Handfläche immer nach oben zeigt.

Schulter mobilisieren 5

Schulter rotiert nach vorne. Handfläche zeigt in der Ausgangs- und Endposition nach oben.

Schulter mobilisieren 6

Mit den Händen an einem Gegenstand festhalten und dabei den Oberkörper lang machen.

7. Fazit

Das volle Bewegungsausmaß der Schulter wird aus der Kombination von Schultergelenk und den beiden Schlüsselbeingelenken gebildet. Daraus ergibt sich ein System aus Oberarm, Schlüsselbein, Schulterblatt und der dazugehörigen Muskulatur.

Dieses System bildet eine funktionelle Einheit indem jedem einzelnen Muskel eine bestimmte Halte- und Bewegungsaufgabe zukommt.

Bernd Marl

Neben meiner selbstständigen Tätigkeit als Sportwissenschafter bin ich Lehrbeauftragter für Sport und Bewegung sowie für Krafttraining und Physiologie. Gemeinsam mit Kollegen aus den Fachbereichen Sportwissenschaft und Sportphysiotherapie trainiere ich viele Menschen mit körperlichen Beschwerden, auf dem Weg zurück nach einer Verletzung sowie zur Prävention und Leistungssteigerung.

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