Was ist Flossing und wie funktioniert es?

Grundsätzlich wird Flossing im Training und in der Therapie zur Linderung von Schmerzen, zur Förderung der Beweglichkeit einzelner Gelenke sowie zur Reduktion von Schwellungen angewendet.

Dabei wird, vereinfacht ausgedrückt, ein elastisches Gummiband direkt um die betroffene Stelle wie z.B. das Sprunggelenk gewickelt. Danach wird das Gelenk aktiv bewegt und anschließend das Gummiband wieder entfernt.

Aus wissenschaftlicher Sicht kann die positive Wirkung von Flossing noch nicht eindeutig erklärt werden, weshalb die Anwendung von Kompressionsbandagen mit elastischen Gummibändern auch gerne als Voodoo Flossing bezeichnet wird.

Der Begriff Voodoo Flossing stammt übrigens von Dr. Kelly Starret, einem renommierten Sportphysiotherapeuten aus den USA. Ob dieser auch das Flossing erfunden hat, ist nicht eindeutig geklärt, er hat es aber in jedem Fall salonfähig gemacht, wofür ihm ein großes Lob gebührt.

Welches Flossband ist das Richtige?

Flossbänder gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen. Die gängigsten Bänder messen 1-2m Länge und variieren in der Dicke zwischen 1-1,6mm.

Je nachdem für welche Körperregion ein Flossband angewendet wird, variieren die Bänder in der Breite zwischen 2,5-5cm.

Ein geeignetes Flossband sollte nicht zu glatt und gleichzeitig gleichmäßig dehnbar sein, denn erst eine gute Elastizität bedingt eine optimale Anpassung des Bandes an die Haut und kann somit zum gewünschten Effekt führen.

Wie wirkt Flossing?

Wirkung auf die Durchblutung

Durch den Druck der angelegten Bandage wird die Durchblutung der jeweiligen Körperregion vermindert und Gewebsflüssigkeit ausgepresst. Umgekehrt kommt es beim Lösen der Bandage zu einer verstärkten Durchblutung, wodurch ein sogenannter „Schwammeffekt“ entsteht.

Grundsätzlich wird die Kompressionsbandage nach ca. 1-3 Minuten gelöst.

Wirkung auf die Faszien

Faszien verbinden Organe von unten nach oben und umgekehrt. Die einzelnen Schichten sind untereinander verschiebbar. Durch z.B. verminderte Bewegung, Verletzungen oder Operationen kann diese Eigenschaft gestört sein.

Mit Flossing gelingt es in der Regel gut, die Gleiteigenschaften der Faszien wiederherzustellen.

Durch den Druck der Bandage bei gleichzeitiger Bewegung entstehen Scherkräfte. Es werden somit die einzelnen Faszienschichten durch das Flossband festgehalten, während sich durch die Bewegung Verklebungen lösen können.

Wirkung auf die Gelenke

Bei einer Verletzung eines Gelenks, entsteht häufig ein Gelenkserguss. Dieser sorgt in den meisten Fällen für Schmerzen und Einschränkungen der Beweglichkeit sowie der Sensomotorik.

Man geht davon aus, dass eine verbesserte Beweglichkeit und in weiterer Folge eine schnellere propriozeptorische/sensomotorische Reintegration durch die entstauende Wirkung von Flossing bewirkt werden kann.

Dazu gibt es jedoch keine wissenschaftlichen Untersuchungen, sondern meines Wissens ausschließlich Erfahrungsberichte aus der Praxis.

Flossing bewirkt zusammenfassend

  • einen Schwammeffekt, wodurch es zur Durchspülung des Gelenks kommt.
  • Lösung von Verklebungen einzelner Faszienschichten durch entstehende Scherkräfte von Haut, Faszien, Muskeln, Sehnen sowie
  • eine verbesserte Beweglichkeit eines Gelenks durch die entstauende Wirkung.

Wann wendet man Flossing an?

Grundsätzlich kann Flossing bei Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen angewendet werden.

Ich wende Flossing am häufigsten bei Bewegungseinschränkungen an.

Häufigste Anwendungsgebiete:

  • Muskelschmerzen
  • Bewegungseinschränkungen
  • Schwellungen
  • Zur Regeneration nach einem Training
  • Punktuellen Schmerzen
  • Nach Operationen

Kontraindikationen

Bei diesen Beschwerden oder Allergien solltest du auf Flossing verzichten:

  • Offene Wunden
  • Starke Hautirritationen
  • Kautschukallergie
  • Frakturen
  • arterielle Verschlusskrankheiten
  • Entzündungen durch Keime
  • Thrombosen

Wie wendet man Flossing an?

Da das Anbringen eines Flossbandes mit sehr festem Zug erfolgt, kann es durchaus schmerzhaft sein. Der Schmerz sollte aber tolerierbar sein.

Ist der Schmerz zu groß bzw. treten andere Nebenwirkungen wie z.B. starkes Kribbeln auf, würde ich dir raten, das Band sofort abzunehmen.

Zugstärke beim Anlegen eines Flossbandes

Die Stärke der Kompression wird durch die Zugstärke bestimmt. Zu Beginn wird das Band mit ca. 50 Prozent Zugstärke angelegt und im Verlauf der Wicklung auf 60-80 Prozent erhöht.

Gewickelt wird immer zum Körper. Möchtest du z.B. das Knie flossen, beginnst du unterhalb des Knies am Unterschenkel mit ca. 50 Prozent Zugstärke und wickelst mit zunehmender Zugstärke über das Gelenk Richtung Körper.

Generell sollte das Flossband am Ort der Beschwerde mit höchster Zugstärke gewickelt werden.

Das solltest du beim Flossen beachten:

  • Immer zum Körper wickeln
  • Beginne mit ca. 50 Prozent Zugstärke
  • Im Betroffenen Bereich kannst du die Zugstärke auf 60-80% erhöhen
  • Wickle mit ca. 50% Überlappung
  • Im Anschluss Bewegungen mit der Bandage ausführen
  • Bandage nach 1-3 Minuten abnehmen

Flossing am Kniegelenk als Beispiel

Flossing Voodoo Band Kompressionsbandagen anlegen

Schritt 1: Zu Beginn mit ca. 50% Zugstärke zum Körper wickeln. Darauf achten, dass du mit 50% Überlappung wickelst.

 

Flossing Voodoo Band Kompressionsbandagen Schwammeffekt

Schritt 2: Über dem Gelenk die Zugstärke erhöhen.

Flossing Voodoo Band Kompressionsbandagen Zugstärke

Schritt 3: Die Zustärke gegen Ende der Wicklung wieder auf ca. 50% reduzieren und das Ende des Flossbandes fixieren.

Flossing Kniegelenk beugen strecken

Schritt 4: Das Gelenk beugen und strecken und im Anschluss daran die Bandage abnehmen. Danach wiederum das Gelenk bewegen.