Ob ein Training sportartspezifisch ist oder nicht hängt von vielen Faktoren ab. Auch vermeintlich unspezifische Trainingsformen können letzten Endes positive Auswirkungen auf sportartspezifische Fähigkeiten haben.

 

Bewegungen im Kraftraum simulieren?

Im Bereich des Krafttrainings haben z.B. olympische Hebetechniken einen hohen Übertrag auf vertikale Sprungleistungen, sodass man z.B. Reißen und Umsetzen in diesem Kontext als sportartspezifisches Krafttraining bezeichnen kann.

Häufig wird in der Praxis versucht, mit verschiedenen Trainingsmitteln eine sportartspezifische Bewegung gegen einen Widerstand (Hantel, Kabelzug, etc.) zu simulieren.

Beispiel: Kniebeuge auf dem Pezziball oder einem Kreisel.

Um zu verstehen, warum das keinen Sinn macht ein kurzer Ausflug in die Physiologie.



Motorische Einheiten

Bewegungen werden grundsätzlich durch die Skelettmuskulatur gesteuert.

Muskelzellen der Skelettmuskulatur werden von Nerven gesteuert. Ein Nerv kontrolliert dabei ca. 5 bis 10 Muskelzellen. Ein Nerv mit allen seinen unterstellten Muskelzellen wird als motorische Einheit bezeichnet.

Jeder Muskel besteht demnach aus vielen motorischen Einheiten. Je größer der Muskel, desto mehr motorische Einheiten kontrollieren den Muskel.

Je nach Bewegung werden vom zentralen Nervensystem (ZNS) über das Rückenmark mehrere motorische Einheiten aktiviert, was letztendlich zur Bewegung führt.

Motorische Einheiten können in Untergruppen organisiert sein, die je nach Komplexität der Aufgabenstellung (Bewegung) unterschiedliche Aktivierungsmuster aufweisen.

Man kann sich das auch so vorstellen, dass je nach Bewegung nur ein gewisser Teil der Summe aller motorischen Einheiten formiert und eingesetzt wird.

Demnach gibt es in der Muskulatur keine motorischen Einheiten für Fußballer, Ruderer, Schwimmer etc. und somit gleicht der Versuch, eine sportartspezifische Bewegung im Kraftraum zu simulieren, dem Suchen nach der Nadel im Heuhaufen.

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Sportartspezifisches Krafttraining

Im sportartspezifischen Krafttraining führen somit oft eher unspezifische Methoden bei denen möglichst viele Muskelfasern rekrutiert und trainiert (wie z.B. beim IK Training) werden zu hohen Transfer und Anpassungseffekten.

Um Kraft in die jeweilige Sportart optimal übertragen zu können, können als Transferübungen sportarttypische Bewegungen eingesetzt werden.

Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Transferübungen so gewählt werden, dass diese letzten Endes nicht die Koordination des Athleten negativ beeinflussen.